Erektile Dysfunktion ist eine Krankheit

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Die Krankheit Erektile Dysfunktion

Gerade in der Werbung, im TV, in Kinoproduktionen und natürlich der Pornografie ist über Jahrzehnte ein stark überstilisiertes Bild der Sexualität und männlichen Potenz aufgebaut worden, dem niemand wirklich entsprechen kann. Zwar ist einigen Menschen bewusst, dass dies unmöglich und oft auch nicht wünschenswert ist, jedoch vergleichen sich nach wie vor viele Männer. Das Klischee des Mannes, der immer kann und die sexuelle Befriedigung als wichtiger Teil des Erfolgs und Glücks im Leben baut gesellschaftlichen Druck auf. Wer diese Klischees nicht erfüllen kann, der gilt als Versager, wenn auch in vielen Fällen nur sich selbst gegenüber. Wie bei allen möglichen Dingen im Leben, fühlt sich derjenige, der als nicht „normal“ gilt, als verstoßen, ausgegrenzt und im schlimmsten Fall als weniger wert und nutzlos. Das hat meist eine Tabuisierung zur Folge. Genauso gilt das auch für die männliche Impotenz, fachlich und medizinisch erektile Dysfunktion genannt. Bereits das Wort Impotenz ist so negativ aufgeladen, dass es nicht gerne gebraucht wird. Es macht daher deutlich mehr Sinn das Wort Erektionsstörung zu nutzen.

Erektionsstörungen sind und das, obwohl Hunderttausende Männer darunter leiden, nach wie vor ein Tabuthema in der Gesellschaft und ein Gespräch darüber findet meist nicht einmal zwischen den Partnern statt. Lieber wird das Problem stillgeschwiegen und verheimlicht. Doch damit nehmen die Versagensängste beim Mann und die Unsicherheiten und Selbstzweifel bei der Frau zu. Am Ende wird die gesamte Beziehung wegen der Sache stark belastet, und zwar nicht wegen dem eigentlichen Grind, sondern wegen dem Schweigen darüber. Dabei wird die Erektionsstörung nicht zurückgehen, sondern meist durch psychische Einflüsse noch weiter zunehmen. Fakt ist: Erektionsstörungen sind kein Tabu mehr in einer aufgeklärten Gesellschaft. Der erste Weg im richtigen Umgang mit diesem Problem ist die Enttabuisierung.

Handelt es sich bei der erektilen Dysfunktion um eine Krankheit?

Männer, die davon nicht betroffen sind, sehen in der Erektionsstörung meist eine Schwäche und das Versagen des Betroffenen. Sogar im Gesundheitswesen selbst gibt es Vorbehalte im Bezug auf den Zusammenhang zwischen Krankheit und Erektionsstörung. Das reicht von den großen Krankenkassen bis hin zu Ärzten. Das ist nicht nur schade, sondern auch immer wieder Grund für gerichtliche Auseinandersetzungen zu diesem Thema. Was dafür vollkommen unstrittig bei Psychologen und Medizinern ist, ist die Tatsache, dass Sexualität ein menschliches Grundbedürfnis ist. Sie ist wichtig für die seelische, aber auch für die körperliche Gesundheit. Wer am sexuellen Leben wegen Erektionsstörungen nicht teilnehmen kann, der ist ganz unabhängig von der Ursache dieser Störung gesundheitlich beeinträchtigt. Daher kann von einer Krankheit gesprochen werden.

Das ist bereits in dutzenden gerichtlichen Verfahren bestätigt worden. Die erektile Dysfunktion zählt zu den Krankheiten und die Behandlung muss daher auch nach der Diagnostik von den Krankenkassen beglichen werden. Und trotzdem hat der Gesetzgeber im Rahmen der Gesundheitsreform im Jahr 2004, die Kostenübernahme zahlreicher Potenzmittel wie Cialis und Kamagra zur Behandlung ausgeschlossen. Das hat der erste Senat des Bundessozialgerichts in einem Revisionsurteil im Mai 2005 sogar bestätigt. Die Richter setzen bedauerlicherweise die Steigerung der Lebensqualität mit der Behandlung von Erektionsstörungen gleich. Es handelt sich bei Erektionsstörungen also rechtlich um eine Krankheit, aber offenbar nicht vollständig.

Erektionsstörungen: Umgang bei den Krankenkassen

Das Recht der gesetzlichen Krankenversicherungen besagt, dass eine Krankheit dann vorliegt, wenn es ein Abweichen des Leitbildes einen gesunden Geistes- und Körperzustand gibt. Ist das der Fall, haben die Betroffenen einen Rechtsanspruch auf eine Versorgung und Behandlung mit Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln. Dabei ist auch die Behandlungsbedürftigkeit mithilfe eines Artes wichtig. Kann das Abweichen dank ärztlicher Hilfe verbessert, gelindert oder gar behoben werden, gibt es eine Behandlungsbedürftigkeit.

Das trifft zweifelsohne auch auf die Erektionsstörung zu, denn die Beschwerden können durch eine Behandlung gelindert werden und es handelt sich, wie juristisch bestätigt, um eine Krankheit. Daher ist es vollkommen egal, worin die Ursachen für die Störung liegen oder ob die Ursachen behandlungsfähig sind. Als Beispiel gelten Diabetes, psychische Erkrankungen und Querschnittslähmung als Folge einer Operation im kleinen Becken. Die Erektionsstörung ist eine Krankheit und auch in diesen Fällen behandelbar. Es geht bei der Behandlung nicht um eine Steigerung der Potenz oder gar um die Pflege eines bestimmten Lebensstils, sondern um eine normal funktionierende Körperfunktion, die durch eine Behandlung wieder sichergestellt werden. Damit nähert sich der Betroffene wieder dem gesunden Leitbild.

Alter kein Grund eine Behandlung abzulehnen

Unberührt von der Behandlungsfrage ist ein Kinderwunsch oder das Alter. Dabei ist es ein Gerücht, dass die Erektionsfähigkeit im Alter nicht mehr so wichtig sei, da die Libido sowieso abnehmen würde. Die Kölner Studie zeigte, dass rund 40 Prozent der Männer im Alter zwischen 70 und 80 Jahren mindestens einmal in der Woche in irgendeiner Form sexuell aktiv sind. Nur rund 50 Prozent gaben an, dass sie unter Einschränkungen in Sachen Potenz leiden würden. Das Alter kann also kein Grund sein, eine solche Behandlung einfach abzulehnen.

Wie aus der oben aufgeführten Gesundheitsreform schon hervorging, ist der Umgang mit Erektionsstörungen, insbesondere in Sachen Herausnahme der Potenzmittel aus dem Leistungskatalog, seitens der Gerichte und Gesetzgebung nicht so klar definiert, wie nötig. Die Tatsache, dass die erektile Dysfunktion zugleich als definierte Krankheit anerkannt ist, führt zu einer tatsächlich eigenartigen Situation. Die Krankenkassen kommen für die ärztlichen Kosten für die Diagnostik und auch die Behandlung (einschließlich Hilfsmittel und Heilmittel) auf, die Arzneimittelkosten müssen die Betroffenen aber selbst zahlen.

Fazit: Erektionsstörungen sind kein Tabu, sondern eine Krankheit

Der Umgang mit diesem Thema fällt leider nach wie vor vielen Menschen schwer. Dabei sind Erektionsstörungen kein Tabu mehr, sondern eine bestätigte Krankheit. Unabhängig von der Ursache, wird die Behandlung, abzüglich der Arzneimittel, von den Krankenkassen gezahlt. Wer unter Erektionsstörungen leidet, sollte darüber kein Stillschweigen bewahren, sondern mit der Partnerin offen über die Situation sprechen und sich ärztliche Hilfe suchen. Nur so kann die Potenz wieder zurückgewonnen werden.